Ein Schuljahr im Ausland

z.B. High School-Aufenthalte
in den USA

Für viele Schüler(innen) und Schüler der 8. bis 10. Klassen ist es ein reizvoller Gedanke, für einen zeitlich begrenzten Zeitraum Schule und Elternhaus hinter sich zu lassen und in ein anderes Land zu gehen, um neue Erfahrungen zu sammeln, um die Fremdsprachenkenntnisse zu verbessern, um andere Menschen, Länder, Lebensweisen, Gebräuche und Kulturen kennenzulernen.

Über vierzig gemeinnützige und kommerzielle Anbieter wetteifern auf dem Markt um die Gunst derjenigen, die sich für die Möglichkeit interessieren, nach der 9. oder 10. Klasse ein Jahr im Ausland zu verbringen. In der Regel bedeutet dies ein High School-Jahr in den USA oder in Kanada; es besteht in eingeschränktem Maße allerdings die Möglichkeit, in andere Länder zu gehen. (Australien, Brasilien, Mexiko, Frankreich, Portugal, Indien und andere Länder ...) Es ist aber sehr schwer, einen Platz außerhalb der US-High School -Programme zu erhalten, weil das Angebot klein und die Konkurrenz groß ist.

Grundsätzlich können alle Schüler(innen), die zu Beginn des Auslandsschuljahres 15 bis 18 Jahre alt sind an einem High School-Programm teilnehmen. Am Anfang der 10. (bzw. demnächst der 9. Klasse) müssen die Bewerbungen abgeschickt werden und spätestens in den Sommerferien zwischen der 9. und 10. Klasse (demnächst 8. und 9. Klasse) müssen interessierte Schüler (innen) entscheiden, ob sie sich bewerben wollen. Wichtig ist, dass die Bewerber(innen) von ihrer persönlichen und geistigen Reife für ein solches Programm geeignet sind und die Teilnahme von ihnen selber gewünscht wird. Wichtig sind natürlich auch Offenheit, Toleranz, Flexibilität, Kontaktfreudigkeit, Durchsetzungsfähigkeit, Gesundheit usw. Alle Interessenten sollten sich vor der Bewerbung selbstkritisch fragen, ob sie diese Eigenschaften im nötigen Maße haben und fernab von Freunden und Eltern anfängliche Heimwehgefühle oder eventuelle Schwierigkeiten meistern können.

Hat man sich entschlossen, ein Schuljahr im Ausland zu verbringen, muss man eine geeignete Austauschorganisation suchen. Die Aufgabe dieser Organisationen ist es, die Eignung der Bewerber(innen) zu überprüfen, den Auslandaufenthalt organisatorisch vorzubereiten (Stichwort: Ausstellung des Certificate of Eligibility for Exchange Visitors zum Beantragen des benötigten Visums, Visum, Flug, Vorbereitungstreffen) und natürlich die Plazierung im Ausland durchzuführen und für eine kontinuierliche Betreuung zu sorgen. Eine Änderung des amerikanischen Einwanderungsgesetzes am 30.11.1996 bestimmt, dass Austauschschüler(innen), die nicht durch eine Organisation vermittelt werden, an öffentlich finanzierten Schulen Schulgeld zahlen müssen. Dieses ist in der Regel deutlich höher (ca. $6000 p.a.) als die Preise der Austauschorganisationen. Für die Anrechnung des Schulbesuches in einem Land nach der Rückkehr nach Deutschland ist es allerdings nicht entscheidend, ob ein Auslandsschuljahr über eine Organisation oder aber privat vermittelt wurde: Wer also Verwandte oder Bekannte in den USA (z.B.) hat, wer ggf. mit einer dort angesiedelten Schule einen guten Deal aushandeln kann, der kann auch gerne so den Auslandsaufenthalt in Angriff nehmen!

Eine ausdrückliche Empfehlung für eine Austauschorganisation soll hier nicht ausgesprochen werden. Viele kommerzielle Anbieter sind schneller mit einer Zusage und gehen bei der Überprüfung der Eignung der Bewerber(innen) weniger gründlich vor, als dies die beiden gemeinnützigen Organisationen tun, mit denen am Humboldt-Gymnasium seit vielen Jahren zusammengearbeitet wird. Diese Organisationen, Youth for Understanding (YfU) und American Friendship Service (afs), zeichne sich durch sorgfältige Auswahl, gründliche Vorbereitung und in der Regel gute Betreuung vor Ort aus. Allerdings gibt es bei diesen beiden Anbietern deutlich mehr Bewerbungen als freie Plätze! Diese Erkenntnis veranlaßt viele, doch lieber einen kommerziellen Anbieter zu wählen. Allerdings muß auch gesagt werden, daß der Austauschgedanke bei afs und YfU eine gewichtige Rolle spielt, und daß diejenigen Bewerber(innen) ihre Chance deutlich verbessern können, die in ihrem Elternhaus im Gegenzug eine Unterbringung eines Austauschschülers anbieten können. YfU und afs bieten, anders als fast alle kommerziellen Anbieter, auch Austauschplätze in Europa, Südamerika, Ozeanien und Afrika an. Wer also nicht unbedingt in die USA will, sollte sich an diese Anbieter wenden oder das Schuljahr im Ausland selber organisieren.

Ein Kostenvergleich ist natürlich auch immer angebracht, wenn man sich für den einen oder anderen Anbieter entscheiden will. Dabei sollte man die Angebote genau vergleichen und feststellen, ob die für den angegebenen Preis angebotenen Leistungen vergleichbar sind. Sind z.B. die Flugkosten enthalten, werden Extragebühren für besondere Leistungen fällig, muss man zusätzliche Versicherungen abschließen, obwohl man sowieso ausreichend versichert ist? Da mit den USA kein Sozialversicherungsabkommen besteht, die Kosten für ambulante und stationäre Behandlung daher von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen werden, ist ein umfassender (privater) Versicherungsschutz notwendig, zumal die medizinische Versorgung in den USA sehr teuer ist. Es ist daher ratsam, sich gegen Krankheit und Unfall mit 100-prozentiger Deckungszusage unter Einbeziehung aller Risiken zu versichern. Wichtig ist zudem eine gute Haftpflichtversicherung. Zusätzlich zu den Organisations- und Versicherungskosten müssen die Eltern noch das Taschengeld berücksichtigen. Unter $ 200 im Monat sollte man nicht kalkulieren. Verschiedene Anbieter offerieren Stipendien in Form eines Nachlasses auf den Programmpreis. Man kann auch versuchen, sich für ein Vollstipendium des Parlamentarischen Patenschaftsprogramms des Deutschen Bundestages zu bewerben, aber die Erfolgschancen sind recht gering, denn es gibt für die gesamte Bundesrepublik weniger Stipendien als Wahlkreise.

Sobald eine Zusage einer Austauschorganisation vorliegt (oder sobald eine öffentlich anerkannte Schule die einjährige Aufnahme eines Bewerbers oder einer Bewerberin schriftlich bestätigt hat) und sobald eine Versetzung in die 11. Klasse (demnächst 10. Klasse) absehbar ist, sollte formlos der Antrag auf Beurlaubung für ein Jahr beim Schulleiter (OStD Weiß) gestellt werden.
Ob eine Schülerin und ein Schüler nach dem Jahr im Ausland in die Orientierungsphase oder die Qualifikationsphase eintreten kann und will, hängt von der persönlichen Leistungsfähigkeit und -bereitschaft ab, aber auch vom Unterricht, welcher im Ausland besucht wurde.
Wer im Ausland eine anerkannte deutsche Schule besucht oder im europäischen Ausland zur Schule geht, dem wird die dort verbrachte Zeit auf die Verweildauer an unserer Schule angerechnet, sprich das Jahr muss nicht wiederholt werden. Vielleicht ist es aber besser, das zu tun. Diese Entscheidung sollte nach Rücksprache mit der Schule getroffen werden. Grundsätzlich wird davon ausgegangen, dass ein Jahr im Ausland auch ein Jahr länger an der Schule bedeutet, eine Verlängerung die um eines höheren Gutes Willen getroffen wurde.
Wer keine der oben genannten Schulen besucht, muss das Belegen und erfolgreiche Bestehen folgender Fächer nachweisen können: 2 Fremdsprachen, davon mindestens eine fortgeführte, eine Naturwissenschaft, eine Gesellschaftswissenschaft und Mathematik. Bei Mathematik sollte darauf geachtet werden, dass es ein möglichst anspruchsvoller Kurs ist, der belegt wird, am besten Analysis. Bei den Fremdsprachen kann es Probleme geben. Hier ist aber zu sagen, dass z.B. der Aufenthalt in einem englischsprachigen Land per se als das Belegen von Englisch angesehen werden kann. Wenn dann z.B. Spanisch oder Italienisch belegt wird, dann können das auch als neu begonnene Fremdsprachen angesehen werden -muss aber in der Qualifikationsphase auch belegt werden. Ein weiteres Schlupfloch bietet die Tatsache, dass z.B. Latein auch ‚nachbelegt' werden kann. Generell solltet Ihr wissen, dass wir Euch alle möglichen Türen offen halten.
Eine Tür kann euch aber niemand offen halten: Wer nach der 9. Klasse ins Ausland geht, somit hier nicht die10. Klasse besucht, hat keinen ES1 - den erweiterten Sekundarabschluss, der zum Besuch der Qualifikationsphase berechtigt. So etwas kann Probleme mit sich bringen, wenn z.B. nach dem Auslandschuljahr ein Ortswechsel (anderes Bundesland) stattfinden muss oder z.B. in der Qualifikationsphase die Schule abgebrochen wird (warum auch immer). Hier könnte sich die unschöne Situation ergeben, dass ggf. nur ein Hauptschulabschluss zu Buche steht. Also, wer ins Ausland geht, der sollte sich seiner Leistungsbereitschaft auch sicher sein. Durch die Bitte um Beurlaubung (s.o.) wissen wir, dass Ihr an die Schule zurückkehren wollte und gewähren Euch natürlich auch ohne den ES1 den Besuch unserer Schule (Belegungsverpflichtungen s.o.). Kleiner Hinweis: Eine Überspringerempfehlung am Ende der 9. Klasse hilft weiter! Wer die hat, hat automatisch die Berechtigung zum Besuch der Qualifikationsphase. Darauf könnte in einem Gespräch mit dem Klassenlehrer eingegangen werden, bevor die Zeugniskonferenzen stattfinden....



Literaturhinweise:
Als unabdingbare Pflichtlektüre ist das Heftchen Alles über Sprachreisen - eine Orientierungshilfe der "Aktion Bildungsinformation e.V." (ABI) anzusehen. Diese Broschüre ist direkt zu beziehen bei ABI, Alte Poststraße 5, 70173 Stuttgart.
Wer mag, kann sich das Werk auch BESTELLEN oder eine eMail an den Verlag schicken: abi@kv-netzwerk.de

Inoffizielles Standardwerk für alle, die sich für ein High School-Jahr in Amerika interssieren, ist das Taschenbuch von Max Rauner Als Gastschüler in den USA - Erfahrungen, Fakten, Informationen, erschienen im Reise Know-How Verlag Dr. Hans-R. Grundmann, ISBN 3-89662-163-7.

Adressen:
Die Adressen fast aller Anbieter sind in oben genannter ABI Broschüre zu finden. In der Schülerbücherei der Europaschule Humboldt-Gymnasium und neben der Fahrstuhl im Erdgeschoß des Nordflügels liegen die jeweils aktuellen Informationen diverser Anbieter aus. Wer sich bei Youth for Understanding oder American Friendship Service bewerben will, sollte sich schriftlich an diese Organisationen wenden (am Ende der 9. Klasse) und um Zusendung der Bewerbungsunterlagen bitten:

Deutsches Youth for Understanding Komitee e.V. (YfU)
Postfach 76167
22069 Hamburg

AFS Interkulturelle Begegnungen e.V. (afs)
Postfach 500142
22701 Hamburg


Internetadressen für eine Auswahl von Anbietern und die entsprechenden Links findest Du auf der Seite ANBIETER.

Als Ansprechpartner für Schüler(innen), die gerne ins Ausland möchten und für Gastgeber von ausländischen Schülern und Schülerinnen am HG stehe ich gerne zur Verfügung. Wenn Du Fragen hast, so kannst Du mich in der Schule ansprechen oder aber hier loswerden: FRAGEN

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